
Am 1. Mai gedenken wir der Kämpfe und Errungenschaften der Arbeiterbewegung für Würde, Rechte und bessere Arbeitsbedingungen. Überall auf der Welt schließen sich die Mitglieder der WBCA-Bewegungen mit den Arbeitnehmenden zusammen, um die durch den täglichen Kampf erzielten Errungenschaften zu feiern, aber auch, um die Forderungen nach menschenwürdiger Arbeit und einem gerechteren Leben lautstark zu vertreten.
Die Arbeit ist der Weg, auf dem der Mensch sein tägliches Brot verdient und an der Erhaltung der Schöpfung mitwirkt. Ausbeuten oder Versklaven durch Arbeit bedeutet auch, sich dem göttlichen Plan für die Menschheit zu widersetzen. Wir wissen, dass Rechte niemals endgültig gesichert sind: Sie erfordern Wachsamkeit und ständiges Engagement, um Errungenschaften zu bewahren und neue Horizonte der Gerechtigkeit zu eröffnen.
Wie die Enzyklika Laborem Exercens in Erinnerung ruft, ist Arbeit „ein Schlüssel und wohl der wesentliche Schlüssel in der gesamten sozialen Frage“ (3). Sie bleibt für uns ein Ort der Würde und der Geschwisterlichkeit, an dem jeder Mensch aufgerufen ist, am Werk der Schöpfung mitzuwirken und eine menschlichere Gesellschaft aufzubauen.
Mit der Feier des Internationalen Tags der Arbeit 2026 richten wir unseren Blick auf die Arbeitnehmenden in Indien. Trotz eines ganzen Arsenals an Rechtsvorschriften, das ihre Rechte schützen soll, verschlechtern sich ihre Arbeitsbedingungen, was uns alle daran erinnert, dass internationale Solidarität und Beharrlichkeit im Kampf nach wie vor unverzichtbar sind.
Indien ist ein Land der Einheit in Vielfalt. Das Land steht jedoch auch vor zahlreichen sozialen Problemen und Herausforderungen. Diese sozialen Probleme betreffen häufig Millionen von informell Beschäftigten und erfordern dringende Aufmerksamkeit seitens der politischen Entscheidungspersonen. Das Verständnis dieser sozialen Probleme, mit denen Indien konfrontiert ist, trägt zur Förderung einer gerechten und fairen Gesellschaft bei. Im Folgenden werden die wichtigsten sozialen Probleme im Zusammenhang mit den vier derzeit in Indien geltenden Arbeitsgesetzen aufgeführt.
Indien hat 29 zentrale Arbeitsgesetze in vier umfassende Arbeitsgesetze zusammengefasst, und die Zentralregierung bekräftigt, dass sie die Regulierung vereinfachen, das Wohlergehen der Arbeitnehmenden verbessern und das Arbeitsumfeld modernisieren will. Sie wurde jedoch dafür kritisiert, gewerkschaftliche Macht eingeschränkt, Arbeitsplatzsicherheit geschwächt und insbesondere informell Beschäftigten nur begrenzten sozialen Schutz geboten zu haben.
- Aushöhlung der Tarifverhandlungen und der Gewerkschaftsmacht.
Das Arbeitsbeziehungsgesetz erschwert es Arbeitnehmenden zu streiken oder zu protestieren. Streiks müssen nun 60 Tage im Voraus angekündigt werden und erfordern in bestimmten Fällen die Zustimmung von 75 % der Arbeitnehmenden, was die Fähigkeit der Gewerkschaften einschränkt, wirksam zu verhandeln, und ihre Verhandlungsmacht schmälert.
- Schwächung der Arbeitsplatzsicherheit.
Die Schwelle, ab der für Entlassungen und Stellenstreichungen eine Genehmigung der Regierung erforderlich ist, wurde von 100 auf 300 Beschäftigte angehoben, was Unternehmen mehr Flexibilität bei Einstellung und Entlassung von Mitarbeitenden verschafft. Dies fördert zwar unternehmerische Flexibilität, verringert jedoch die Arbeitsplatzsicherheit der Beschäftigten, insbesondere in mittelständischen Unternehmen.
- Begrenzter Sozialschutz für informell Beschäftigte.
Obwohl das Sozialgesetzbuch bestimmte Leistungen auf Plattformarbeitende und den digitalen Sektor ausweitet, bleibt der Sozialschutz für informell Beschäftigte, die etwa 90 % des indischen Arbeitsmarktes ausmachen, unzureichend. Beitragssätze und Ausgestaltung der Leistungen werden oft künftigen Regelungen überlassen, was Unsicherheit schafft und viele Arbeitnehmende ohne wirklichen Schutz zurücklässt.
- Strengere Einhaltung der Vorschriften für kleine Unternehmen ist schwierig.
Obwohl die Gesetzbücher die Gesetze vereinfachen, kann die Doppelrolle der Inspizierenden als Vermittelnde und Kontrollierende die Durchsetzung schwächen. Kleine und mittlere Unternehmen können weiterhin Schwierigkeiten haben, neue Anforderungen zur Einhaltung der Vorschriften zu verstehen und umzusetzen, insbesondere in Bundesstaaten, die noch keine Vorschriften erlassen haben.
- Mögliche Lücken in Bezug auf Geschlechtergleichstellung und das Wohlergehen der Arbeitnehmenden.
Gewisse Bestimmungen, wie etwa unbezahlte Pflegearbeit, sind ausgenommen, was Frauen unverhältnismässig stark betrifft. Zudem können vage Regelungen für Plattformarbeitende und delegierte Rechtsvorschriften zu unterschiedlichen Standards in den einzelnen Staaten führen, was zu Unstimmigkeiten beim Schutz der Arbeitnehmenden führt.
- Einschränkungen bei Streiks und Arbeitskampfmaßnahmen.
Die Vorschriften sehen eine 14-tägige Ankündigungsfrist, eine 60-tägige Abkühlungsphase und in einigen Fällen einen hohen Prozentsatz an Arbeitnehmerunterstützung für Streiks vor. Dies erschwert Arbeitskampfmaßnahmen und schränkt möglicherweise die Fähigkeit der Arbeitnehmenden ein, bessere Bedingungen auszuhandeln.
Obwohl die Arbeitsgesetze darauf abzielen, Regulierung zu straffen und Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern, gehören zu ihren Nachteilen eine Schwächung des gewerkschaftlichen Einflusses, eine Verringerung der Arbeitsplatzsicherheit, ein begrenzter sozialer Schutz für informell Beschäftigte sowie potenzielle Herausforderungen bei der Durchsetzung, was das Gleichgewicht zwischen Arbeitnehmerrechten und industrieller Flexibilität in Indien beeinträchtigen kann.
Daher hat sich die Christliche Arbeiterbewegung in Indien der Unionsregierung durch Demonstrationen, Versammlungen von Arbeiterinnen und Arbeitern, öffentliche Treffen mit Entscheidungstragenden, die Übergabe von Memoranden und Aktionen wie „Road Roko“ mit Straßentheater widersetzt, um die Aufhebung der vier Arbeitsgesetzbücher und die Wiedereinführung der 29 vorherigen Arbeitsgesetze zu fordern.
Und welche Kämpfe müssen in euren Ländern vorrangig geführt werden, um den Weg zu würdiger und menschenwürdiger Arbeit einzuschlagen, unabhängig von Geschlecht und Alter?
Verfasst von:
- Augustin MangalaRaj,
Mitglied des Rates für Südasien.
