WELTTAG FÜR MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT – 7. OKTOBER 2023 DIE BESCHÄFTIGUNGSSITUATION VON NICARAGUANERN
“Menschenwürdige Arbeit ist produktive Arbeit, die ein gerechtes Einkommen, Rechte und sozialen Schutz bietet und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum unterstützt. Sie ist eine Quelle der Würde und die Grundlage für Frieden, soziale Gerechtigkeit und mehr Gleichheit", heißt es auf der Website der ILO. Dieses Jahr berichtet Nicaragua über die Realität am Arbeitsmarkt im eigenen Land. Wir laden alle Bewegungen ein, diesen Tag zu nutzen um über das Thema nachzudenken.
Die erwerbstätige Bevölkerung, die sich nach einer menschenwürdigen Arbeit und einem fairen Lohn sehnt, der alle grundlegenden Bedürfnisse und Erwartungen befriedigt, die eine durchschnittliche Familie in Nicaragua haben kann, erlebt düstere und beklemmende Zeiten.
Die erwerbstätige Bevölkerung des Landes liegt derzeit bei 3,6 Millionen Menschen, von denen nur ein Viertel einer formellen Beschäftigung nachgeht. Der Rest der Bevölkerung ist unterbeschäftigt oder hat eine informelle Beschäftigung, aus der sie nur ein kleines Einkommen beziehen, mit dem sie ihre Familien unterstützen können.
ABSCHLUSSERKLÄRUNG DER XIV. GENERALVERSAMMLUNG DER WBCA
Vom 24. bis 31. März 2023 kamen 75 Delegierte als Vertreter der Mitgliederbewegungen der Weltbewegung Christlicher Arbeitnehmer aus 25 Ländern auf vier Kontinenten in Lourdes (Frankreich) zu ihrer XIV. Generalversammlung zusammen.
Unter dem Motto "Soziale Gerechtigkeit in einer Wirtschaft für das Leben" teilten wir das Leben der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unseren Ländern und Regionen. Mit Hilfe der Methode des Sehen-Urteilen-Handelns analysierten wir die Ursachen und entschieden, welche Maßnahmen sowohl auf globaler als auch auf lokaler Ebene ergriffen werden sollten.
So stellten wir fest, dass die Hauptursache für die entmenschlichenden Situationen, die Arbeiter und Arbeiterinnen auf der ganzen Welt erleben, dieselbe ist: das hemmungslose Streben nach Profit. Dieses Streben nach Geld ist nicht nur für die Menschen verheerend, sondern zerstört auch die Umwelt und ist Raubbau an Mutter Erde. Die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel.
Da diese Versammlung in Frankreich stattfand, inmitten einer sich verschärfenden sozialen und gewerkschaftlichen Mobilisierung, solidarisierten wir uns mit den französischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die für die Einhaltung ihrer Arbeitsrechte kämpfen, die von der aktuellen Regierung bedroht werden, die das Rentenalter anheben und damit ihre Lebensqualität beeinträchtigen will.
Wir haben uns u.a. mit der Situation von Migranten auseinandergesetzt, insbesondere von jungen Menschen, die ohne Zukunft im eigenen Land gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Dabei riskieren sie oftmals ihr eigenes Leben und lassen ihre Familien verschuldet zurück, wie kürzlich bei dem tragischen Brand in einem sogenannten "Aufnahmezentrum“ in Ciudad Juárez, Chihuahua, Mexiko, bei dem 40 guatemaltekische Migranten ums Leben kamen.
Wir haben auch die bewundernswerte Arbeit all dieser Menschen und insbesondere der Frauen hervorgehoben, die durch ihren Unternehmergeist und ihre Initiative versuchen, selbstständig Arbeit zu generieren und so ihre Lebensbedingungen im eigenen Land verbessern.
Wir wollten auch Männer und Frauen, die von ihrem Glauben an den auferstandenen Christus getragen werden, dazu ermutigen, ihren Kampf für mehr Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit fortzusetzen. In diesem Sinne möchten wir besonders junge Menschen auf der ganzen Welt darin bestärken, den Kampf für eine gerechtere Welt fortzuführen und sich selbst eine Zukunft aufzubauen.
Abschließend haben wir uns die Worte von Papst Franziskus zu eigen gemacht, der von der Notwendigkeit spricht, "eine neue Wirtschaft zu schaffen, die die Erde respektiert, eine Wirtschaft des Friedens, und eine Wirtschaft, die tötet, in eine Wirtschaft des Lebens zu verwandeln.“
Mögen uns Jesus, der Arbeiter, und die Jungfrau von Lourdes Licht und Kraft geben, um weiterhin für soziale Gerechtigkeit und eine Wirtschaft für das Leben zu kämpfen.
Lourdes, den 31. März 2023
BOTSCHAFT DER WBCA ZUM 1. MAI 2023
1.Mai 1886: Großer Mobilisierungstag in allen Fabriken in Chicago (USA), für die Durchsetzung des 8-Stunden-Arbeitstags. Dieser Streik legte den Grundstein für den bis heute anhaltenden Kampf zur Veränderung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern auf der ganzen Welt.
Tatsächlich treffen die Aktivistinnen und Aktivisten der WBCA-Bewegungen auch heute noch auf viele Arbeiter*innen und ihre Familien, die aufgrund unsicherer Arbeitsverhältnisse und niedriger Löhne unter sehr schwierigen Lebensbedingungen leiden. Manche fehlt sogar das Minimum zum Überleben. In einigen Ländern, wie z. B. in der Dominikanischen Republik, dient das Sozialversicherungssystem nur dazu, die als "Administrateurs des Risques Sanitaires" - (ARS) bezeichneten Mittelsmänner und die Rentenkassen (AFP) zu bereichern. Es garantiert weder die Abdeckung von Krankheiten noch ein angemessenes Einkommen im Ruhestand oder bei Arbeitslosigkeit. Die Ärmsten werden systematisch aus dem System gedrängt.
Die Wirtschaftspolitik in der postpandemischen Welt kommt nur einer Minderheit zugute, während die Mehrheit der Bevölkerung auch weiterhin nicht in der Lage ist ihre Grundbedürfnisse abzudecken. Laut den Vereinten Nationen ist die Wirtschaftslage in den verschiedenen Regionen der Welt alles andere als günstig. Für Lateinamerika und die Karibik z.B. haben sich die wirtschaftlichen Aussichten aufgrund der externen internationalen makroökonomischen Bedingungen und einer anhaltend hohen Inflation deutlich verschlechtert.
Neue Technologien führen dazu, dass bestimmte Arten von Arbeitskräften ausgebootet oder entwertet werden, wodurch viele Menschen ohne jeglichen Schutz oder Sicherheit in die informelle Wirtschaft abgedrängt werden.
- 8. März: Internationaler Tag der Frauenrechte
- BOTSCHAFT ZUM TAG DER WANDERARBEITENDEN - 18. DEZEMBER 2022
- INFOR Oktober 2022
- WELTTAG FÜR MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT - MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT, EINE WESENTLICHE VERPFLICHTUNG FÜR FRIEDEN UND SOZIALE GERECHTIGKEIT
- KAB Deutschlands: "Für ein christliches Miteinander in der Arbeitswelt WERTvoll arbeiten – menschenwürdig statt prekär"